Kategorie: Presseschau / Rückmeldungen (Seite 2 von 3)

Presseschau 2013

Ökumenischen Weihnachtskonzert in der
St. Nikolaus-Kirche

Von Karl Hermann

Buchstäblich bis auf den letzten zusätzlichen Stuhl und somit 500 Besucher, war die St. Nikolaus-Kirche zum traditionellen Weihnachtskonzert besetzt. Die beiden Leiter, Kantor Wolfgang Runkel von der evangelischen Gemeinde und Bernd Walz, Organist an St. Nikolaus und unermüdlicher Organisator dieser Veranstaltung seit über 38 Jahren hatten alle Musiker beider Gemeinden eingeladen, die einen Querschnitt durch die reiche kirchenmusikalischer Arbeit in Bergen-Enkheim darboten.
Als Besonderheit wurde . wie in allen bisherigen ökumenischen Konzerten . ein Überraschungsinstrument vorgestellt: ein Schwyzerörgeli, meisterhaft gespielt von Katja Zimmermann aus Luzern.
Die weiteren Mitwirkenden waren: Natalie Porth, Querflöte; Christian Kraus und Julian Walz, Trompete; Norbert Porth, Posaune; Schola cantorum unter der Leitung von Willi Eutebach; die Gruppe „Jubilate“ mit Julia Ohlenmacher, Antje Saleck und Alexander Keidel, Evangelische Kantorei Bergen-Enkheim unter der Leitung von Wolfgang Runkel, der auch als Orgelsolist und als Begeiter tätig war; Alexander Keidel, Tenor und Begleitorgel und schließlich Bernd Walz an „seiner“ großen Förster & Nicolaus-Orgel.
Bei freiem Eintritt wurde am Ausgang der Kirche um eine angemessene Spende für eine karitative Einrichtung gebeten. Die „Lebenshilfe Alte Mühle“ kann einen stolzen Betrag von 1.000,-. entgegennehmen.
Wolfgang Runkel und Bernd Walz waren hocherfreut über die großzügigen Spenden, die auch durch das honorarfreie Mitwirken der Musiker ermöglicht wurde.
Begrüßt wurden die zahlreichen Besucher von Pfarrer Hans-Hermann Klüh aus Bischofsheim, der zur Zeit
die vakante Pfarrstelle in Bergen-Enkheim verwaltet, während Pfarrerin Kathrin Fuchs die Zuhörer mit dem Segen verabschiedete.
Glückliches Bergen-Enkheim, dass solches Engagement vorzeigen kann.

hintere Reihe von links nach rechts: Natlie Porth, Norbert Porth (und der jüngste Konzertbesucher), Christian Kraus, Bernd Walz, Alexander Keidel
Vordere Reihe von links nach rechts: Willi Eutebach, Julian Walz, Katja Zimmermann; Julia Ohlenmacher, Wolfgang Runkel, Antje Saleck
Katja Zimmermann und ihr Schwyzerörgeli vor dem Altar

Die Orgel zum Tanzen gebracht

Mit einer schwungvoll-fröhlichen und durchaus weltlich klingenden Melodie, die auf das Gesicht so manchen Besuchers ein kleines Lächeln zauberte, startete das 94. Konzert des Förderkreises Orgel und Orgelmusik in der St. Nikolaus-Kirche in Bergen-Enkheim. Przemyslaw Kapitula, der Organist der Warschauer Kathedrale, wusste seine Zuhörer von Anfang an zu fesseln. Die waren sehr zahlreich erschienen, sicher nicht nur wegen des regnerisch-kalten „Konzertwetters“ am Sonntagnachmittag, das das Spazierengehen verleidete. Mehr als 220 Besucher füllten die Kirche.

Das „Versetto per il Gloria“ des italienischen Komponisten Vincenzo Petrali bildete den Auftakt zu einem attraktiven Konzertprogramm, das auf Ohrwürmer der Orgel weitgehend verzichtete und das Publikum vor allem mit seltener gespielten Komponisten bekannt machte. Darunter der jung verstorbene Sachsenprinz Johann Ernst, dessen Concerto in G-Dur immerhin von Johann Sebastian Bach einer Orgelbearbeitung für würdig befunden worden war, Vertreter vor allem der polnischen, aber auch der französischen und englischen Romantik und schließlich Samuel Scheidt, der zu den wichtigsten Komponisten des 17. Jahrhunderts zählt. Johann Sebastian Bach war auch mit einem originär eigenen Werk vertreten, passend zum baldigen Adventsbeginn mit dem Choral „Nun komm der Heiden Heiland“. Die fein ziselierte Interpretation durch Przemyslaw Kapitula ließ viele Zuhörer erstaunt aufhorchen. Er spielte die Choralmelodie auf nur einem Register; das erlaube ihm, so Kapitula, den Charakter des Stückes besonders gut herauszuarbeiten. Die St. Nikolaus-Orgel hat dem international gefragten Musiker mit einer ausgesprochenen Vorliebe für Italien und dessen Musik sehr gefallen, „weil sie kräftig, aber nicht so laut ist und ein differenziertes Spiel zulässt“.

Bernd Walz, als Mitglied des Vorstandes der Organisator des Konzerts, konnte auf dem anschließenden Empfang in der Nikolauskapelle das Lob zurückgeben. „Przemyslaw Kapitula hat alles gezeigt, was unsere Orgel kann, und sie in allen ihren Facetten schillern lassen.“ Erfreut zeigte sich auch der Schirmherr der Veranstaltung, der Honorarkonsul der Republik Polen, Klaus Sturmfels. Die von ihm vor 20 Jahren ins Leben gerufene Deutsch-Polnische Gesellschaft zählte ebenso wie die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim zu den Mitveranstaltern des Konzerts. „Die Aussöhnung zwischen den Nationen braucht Menschen, die sie leben und gestalten“, erklärte Sturmfels, der auch bekannte: „Konzerte wie das in Bergen-Enkheim sind es, die die Tätigkeit des Honorarkonsuls zu einer schönen und erfreulichen Angelegenheit machen.“

Eine schöne und erfreuliche Angelegenheit war das Konzert wohl für alle Besucher. Sie dankten Kapitula mit lang anhaltendem Beifall. Und er dankte das mit einer Zugabe aus seiner reichen Sammlung italienischen Preziosen der Musik, mit der er zum Abschluss des Abends die Orgel noch einmal zum Tanzen brachte.

Hannelore Schmid

von links nach rechts: Stellvertr. Ortsvorsteher Wilfried Bender – Schirmherr Klaus Sturmfels – Przemyslaw Kapitula – 1. Vorsitzende des Vereinsringes, Beatrix Müller-Mamerow – Stadtbezirksvorsteher Walter Fix

Die Kunst der Moderation

Festliches Konzert mit Gunther Emmerlich und seinem Ensemble in St. Nikolaus

Mit einem festlichen Konzert feierte die katholische Kirchengemeinde Heilig Kreuz am 15. September in der St. Nikolaus-Kirche nachträglich die Ende Juni erfolgte Wiedereröffnung der Heilig Kreuz-Kirche in Enkheim. Es sollte ein populäres Konzert mit vielen kleinen Höhepunkten aus der Musikgeschichte werden.
Dafür sprach schon der Solist des Abends, der vom Fernsehen her bekannte Bassist und Entertainer Gunther Emmerlich. Er hatte mit Kurt Sandau (Trompete), Klaus Bender (Orgel und Piano) und Sabina Herzog (Violoncello und Sopran) ein Ensemble mitgebracht, mit dem er häufig auf Konzerttourneen unterwegs ist. Zusammen mit seinen routiniert und professionell agierenden Musikern hatte Emmerlich fast ausschließlich beliebte und bekannte Musikstücke im Gepäck, die den festlichen Charakter des Abends unterstreichen konnten. Wie die Perlen einer wertvollen Kette reihten sich im Laufe des Konzerts in der gut besetzten St. Nikolaus-Kirche jene Stücke aneinander, hauptsächlich aus Barock und Klassik, die der Musikliebhaber bei vielen Gelegenheiten schon gehört und im Gedächtnis aufbewahrt hat. Den geschickt zusammengestellten Bearbeitungen gab besonders der strahlende Trompetenklang immer wieder eine klangprächtige Note. Für Abwechslung war darüber hinaus nicht nur dadurch gesorgt, dass Emmerlich mit seinem wohltönenden Bass, der wegen der trockenen Akustik der Kirche nicht immer voll zur Geltung kam, mit unterschiedlichen Ensemblemitgliedern musizierte. Auch die Tatsache, dass – einem Kirchenkonzert angemessen – die Orgel mit J .Pachelbels Fantasie und Toccata Nr.5 einleitend solistisch zu hören war und dass zweimal reine Instrumentalmusik erklang, lockerte das Programm auf (J.Chr. Schickardt, Hamburger Suiten sowie A. Vivaldi, Largo für zwei Soloinstrumente). Ganz besonders bemerkenswert aber war Emmerlichs Moderation, der neunzehn einzelnen Programmteile, die er souverän und geistvoll-witzig gestaltete – charmant auch gegenüber Sabina Herzog, die als Sopranistin bei Das ist der Tag des Herrn von F. Mendelssohn-Bartholdy und dem Hymnus von E. Elgar mitwirkte.
Wer nicht von der Musik bewegt werde, der sei ein wahrer Klotz, zitiert Emmerlich z.B. den großen Reformator Martin Luther, bevor er den bekannten Choral Lobe den Herren und zwei Bearbeitungen von M. Reger und J.G. Walther zusammen mit Trompete, Cello und Orgel vorträgt. Mit einem solchen Zitat eingeleitet, mag auch eine schlichte Melodie den Zuhörer ergreifen. Oder: Der Moderator spricht von der heilenden Kraft der Musik mit einer Anekdote des französischen Schriftstellers Stendhal, zitiert dann Mozarts Ausspruch, dass keiner alles könne, außer Haydn, und singt anschließend die Arie Nun scheint in vollem Glanz der Himmel aus J. Haydns Oratorium Die Schöpfung. Die öffentliche Uraufführung 1799 in Wien soll für den 66-jährigen Haydn ein ungeheurer Erfolg gewesen sein. Zum weltweit klassischen Repertoire zählt ebenfalls der Choral Jesu bleibet meine Freude aus der Kantate 147 von J.S. Bach, den man bei allen nur denkbaren Gelegenheiten immer wieder hören kann. Emmerlich leitet diesen Choral mit einer Anekdote über Bach ein, bevor er ihn, von den Instrumenten umspielt, selbst singt. Die geschickte Moderation macht auch hier wieder die schon so oft gehörte Melodie und ihr Arrangement für den aufmerksamen Zuhörer neu erlebbar. Ein letztes Beispiel aus der Fülle der einzelnen Programmpunkte: Emmerlich leitet Mozarts Ave verum anekdotisch ein und endet dabei mit dem Hinweis auf das zu seiner Zeit häufig verkannte Genie, dessen Grab bis heute unbekannt geblieben ist. Die Komposition ist 1791, kurz vor Mozarts Tod, für Chor, Streicher und Orgel entstanden. Heute gehört diese Vertonung des alten Textes aus dem Mittelalter (um 1300) durch Mozart mit ihrer zugleich besinnlichen und spannenden Melodie zu den bekanntesten Werken des klassischen Meisters. Mit dem skizzierten Hintergrundswissen erlebt der Hörer die etwas ungewöhnliche Fassung für Bassstimme und Begleitinstrumente vielleicht auf eine neue Weise.
In den beiden Traditionals (Hell ist der Morgen und Der Herr sah hinab) und dem Spiritual Go down Moses, jeweils mit Klavierbegleitung, zeigte Emmerlich eine weitere Seite seines Könnens. Hier geht es weniger um die von einem Opernsänger zu erwartende schöne Stimme, sondern um den für die Gattung charakteristischen Ton. Emmerlich schien hier in seinem Element zu sein.
Am Ende des Abends standen zwei vom Publikum eingeforderte Zugaben: 4 Strophen des bekannten Abendlieds von M. Claudius (Vertonung von J.A.P. Schulz 1790) und der Gospelsong When the Saints go marching in. Beim anschließenden Empfang hinter der Kirche hielt der Schirmherr des Konzertes zur Wiedereröffnung der Hl. Kreuz-Kirche, Pfarrer Wolfgang Hünnekens, eine kurze Ansprache. Vertreter der beiden Veranstalter, des Förderkreises Orgel und Orgelmusik an St. Nikolaus und der Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim, waren ebenfalls anwesend.

Heinrich Jaskola


Meisterliches Spiel mit Formen und Klängen

Jean-Claude Zehnder konzertierte in St. Nikolaus

Einen „außergewöhnlichen Schweizer Künstler“ hatte in seinem Grußwort der Schweizerische Generalkonsul Pius Bucher als Schirmherr des 92.Großen Orgelkonzerts am 10. März in der St. Nikolaus-Kirche von Bergen-Enkheim angekündigt. Das war nicht zu viel versprochen.

Jean-Claude Zehnder, emeritierter Orgelprofessor aus Basel und Organist an der Silbermann-Orgel in Arlesheim, erfüllte in jeder Hinsicht die in ihn gesetzten Erwartungen. Ungewöhnlich war schon sein Programm. Zehnder ist Spezialist für alte Musik und hat auf seinem Gebiet nicht nur zahlreiche Tonaufnahmen, sondern auch wissenschaftliche Abhandlungen veröffentlicht. Das Besondere seines Programms war vor allem die Perspektive, unter der man in diesem Konzert die Orgelmusik wahrnehmen konnte. In keinem der Konzerte an der klangprächtigen Förster & Nicolaus-Orgel hat bisher ein Künstler so intensiv auf Texte verwiesen, die eine sich darauf beziehende Musik formen und gestalten. Der vorösterlichen Passionszeit entsprechend, standen zwei Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach im Mittelpunkt des Konzertabends. Sie gehörten, so Zehnder, in den „meditativen Bereich“ und leuchteten, wie er weiter vor den Konzertbesuchern ausführte, „in verborgene Winkel des Herzens“. Die dazu gehörenden Texte (Schmücke dich, o liebe Seele und Jesus Christus, unser Heiland) waren zusammen mit der jeweiligen Liedmelodie in den Erläuterungen nachzulesen, die dem Programm dankenswerterweise beigefügt waren. Wer sich darauf einließ, konnte nicht nur Bachs musikalische Textauslegung bewundern, bei Jesus Christus, unser Heiland sogar in drei sehr unterschiedlichen Versionen (BWV 665, 666, 688), sondern auch die Meisterschaft, mit der Professor Zehnder in seinem Spiel den Bachschen Vorstellungen gerecht wurde. Zudem machte der Solist wieder einmal deutlich, dass die Orgel in der St. Nikolaus-Kirche unzählige Klangmöglichkeiten bereitstellt, die jeden Spieler herausfordern und die Zuhörer überraschen können. So entstanden Klangbilder, die dem Charakter der Texte nachempfunden waren und sie mit allen Mitteln musikalisch zu deuten versuchten.

Aber nicht nur die einfühlsame Art beim Umgang mit den beiden Texten zum Abendmahl und Erlösungsgeschehen zeichneten diesen Konzertabend aus. Außergewöhnlich war auch die Spieltechnik und Darstellungskraft des Künstlers, der mit großer Souveränität sein Programm überlegen gestaltete. Anfangs, in Dietrich Buxtehudes Ciacona in c (BuxWv 159), hörte man noch ein eher trocken-akademisches Spiel, das aber schon im weiteren Verlauf dieses Stücks, wie es ihm angemessen ist, locker-tänzerisch wurde. Der auf einen spanischen Volkstanz des 16.Jahrhunderts zurückgehenden Form liegt bei Buxtehude ein viertaktiges Thema im Bass (¾-Takt) zugrunde, das sich 34-mal wiederholt. Der Interpret an der Orgel hob dieses Ostinato-Thema deutlich mit einem Zungenregister hervor und gestaltete die darüber spannungsreich musizierenden Stimmen letztlich überzeugend. Mit Ausschnitten aus Gaspard Corettes Missa du huitième ton von 1703 demonstrierte der Solist adäquat die spielerische, mit vielen Verzierungen daherkommende, Musik im Gottesdienst zur Zeit der absolutistisch regierenden französischen Könige. Immer wieder wetteifern einzelne Register mit typischen Klängen miteinander (z.B. Dialogue de Voix humaine). Dies darzustellen war für den Interpreten eine offensichtlich reizvolle Aufgabe und für die Zuhörer vergnüglich nachzuvollziehen. Gleichzeitig ergab sich hier im Rahmen dieses geschickt angelegten Konzertprogramms eine schöne Überleitung: Dass Bach nicht nur in tief empfundener Religiosität komponierte, sondern norddeutsche und französische Einflüsse mit großer Strahlkraft zu verbinden wusste, zeigte Prof. Zehnder, virtuos spielend, mit Präludium und Fuge in C-Dur (BWV 547) – ein Glanzstück für jeden Orgel-Künstler.

Bei diesem Konzert mit J.S.Bach im Mittelpunkt ließ sich auch hören, wie es nach dem Barockmeister weitergehen konnte, nachdem er schon am Ende seines Lebens als veraltet, „verzopft“, gegolten hatte. Sein ältester Sohn Wilhelm Friedemann komponierte zwar noch Fugen (Fuge in g-Moll), aber die beiden Polonaisen (D-Dur und c-Moll), die der Konzertorganist mit der ihnen eigenen, nach außen gewendeten Virtuosität wirksam vortrug, zeigen ein neues, das galante Zeitalter.

Endgültig begeistert waren die zahlreich erschienenen Zuhörer beim glanzvollen Schlussstück des Konzerts, Felix Mendelssohn Bartholdys Sonate in A-Dur op.65/3. Bei dieser an sich schon klangprächtig angelegten Musik setzte Prof. Zehnder alle Möglichkeiten des Instruments beispielhaft ein und beendete damit eindrucksvoll einen überzeugenden Orgelkonzertabend. Die von den zahlreichen Zuhörern geforderte Zugabe nahm er aus seinem Fachgebiet, der alten Musik: Ein mit zarten Flötenregistern gespielter Tanz aus der Renaissance-Zeit.

Zum Empfang nach dem Konzert im Hotel „Schöne Aussicht“ hatte das Schweizer Generalkonsulat großzügig mit Produkten seines Landes, Wein, Käse und Bündner Fleisch, beigetragen.

Heinrich Jaskola


Von der Silbermann-Orgel nach Bergen-Enkheim

Der Schweizer Orgelprofessor Jean-Claude Zehnder gastiert
in der St. Nikolaus-Kirche

Wer an der orgelkundlichen Studienfahrt des Förderkreises Orgel und Orgelmusik an St. Nikolaus in die Schweiz im September letzten Jahres teilgenommen hat, kennt ihn bereits und freut sich auf ihn. Im Dom von Arlesheim bei Basel hat er, Prof. Jean-Claude Zehnder, den Gästen aus Bergen-Enkheim seine Johann Andreas Silbermann-Orgel von 1761 vorgestellt, und die Zuhörer waren ausnahmslos begeistert. Das muss nicht verwundern.
Jean-Claude Zehnder war nach Abschluss seiner Studien in Winterthur, Zürich, Wien und Amsterdam zunächst als Organist und Chorleiter tätig, unterrichtete auch die Fächer Orgel und Cembalo am Konservatorium in Winterthur, ehe er mit 31 Jahren 1972 an die „Schola Cantorum Basiliensis“ berufen wurde. An dieser berühmten Hochschule für alte Musik in Basel leitete Prof. Zehnder bis 2006 eine Orgelklasse und entwickelte sich zum Spezialisten für die Musik des 17. bis 19. Jahrhunderts. Für seine künstlerischen und wissenschaftlichen Publikationen, z.B. zum Frühwerk von Johann Sebastian Bach, erhielt er neben zahlreichen Ehrungen u.a. 2002 die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Dortmund.
Wenn der weltweit konzertierende Orgelprofessor aus der Schweiz am 10. März in die St. Nikolaus-Kirche von Bergen-Enkheim kommt, bringt er ein Programm mit, das seine vielfältigen Interessen spiegelt und den Konzertbesuchern Erkenntnisse und Genuss verspricht: Norddeutsche und französische Einflüsse auf J.S. Bach werden mit Dietrich Buxtehudes Ciacona in c (Bux WV 159) und Gaspard Correttes vier Stücken aus der Messe du huitième ton ebenso thematisiert wie die Frage, ob Bachs ältester Sohn Wilhelm Friedemann in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist (Polonaisen D-Dur und c-Moll, Fuge g-Moll) und wie sich der Wiederentdecker Bachs im 19. Jahrhundert, Felix Mendelssohn Bartholdy (u.a. Aufführung der Matthäuspassion 1829), mit Bachscher Musik beschäftigt hat. Beim genauen Blick auf das Konzertprogramm dreht sich also alles mehr oder weniger deutlich um einen Mittelpunkt, den wohl bis heute genialsten Musiker und Komponisten der Barockzeit, Johann Sebastian Bach.
Etwa ein Fünftel des umfangreichen Gesamtwerks von Bach sind Orgelkompositionen, d.h. ca. 220 Orgelwerke, wovon ein großer Teil mit Choralmelodien arbeitet. Zwei dieser Choraltexte und deren musikalische Bearbeitung, in denen Bach „das Passionsgeschehen durch musikalische Bilder verdeutlicht“, stehen nach Zehnders eigenen Worten „im Zentrum“ seines Konzerts: Die Choralvorspiele Schmücke dich, o liebe Seele (BWV 654) und Jesus Christus, unser Heiland (3 Fassungen, BWV 665, 666, 688). Vom Text her gesehen haben beide Choräle eine enge Verbindung zum Abendmahl. Bach hatte in seinen letzten Lebensjahren 18 Choräle aus früheren Lebensabschnitten zusammengestellt und in manchen Details für den vorgesehenen Druck nochmals bearbeitet.

Die drei letzten Stücke dieser Leipziger Choräle musste er wegen einer voranschreitenden Augenerkrankung seinem Schwiegersohn Johann Christoph Altnikol diktieren. In dieser Sammlung kunstvoller Choralvorspiele ist Jesus Christus, unser Heiland zweimal vertreten, und zwar in einer vierstimmigen Fassung mit der Melodie (cantus firmus) im Pedal (BWV 665) und in einer kleineren mit cantus firmus im Sopran (BWV 666). Schon 1739 hatte Bach diese Choralmelodie zusammen mit zwanzig weiteren, immer jeweils doppelt ausgeführten Choralbearbeitungen, umrahmt von Präludium und Fuge Es-Dur (BWV 552), als Clavierübung Teil III veröffentlicht. Albert Schweitzer hat diese Sammlung wegen der Anordnung der von Bach bearbeiteten deutschen Kirchenlieder auch als Orgelmesse bezeichnet, wobei Jesus Christus, unser Heiland (BWV 688) zwar wieder dem Abendmahl zugeordnet ist, aber diesmal in einer anderen Form erscheint, mit dem cantus firmus im Tenor. Man kann die großartige musikalische Auslegungskunst Bachs wohl am besten erfassen, wenn man als Zuhörer den Text mitliest, auf den sich die Musik bezieht.

Text und Musik können sich auf vielfältige Weise miteinander verbinden. Aber auch andere spannende Verbindungen wird Prof. Zehnder in seinem Konzert verdeutlichen. So spiegelt sich die fantasievolle Formensprache der norddeutschen Orgelschule um D. Buxtehude ebenso in Bachs Orgelwerken, wie sich umgekehrt die Beschäftigung mit dem großen Leipziger Thomaskantor bei F. Mendelssohn Bartholdy wiederfindet. Seine mitreißende Sonate in A-Dur (op.65/3) arbeitet beispielsweise, wie wir dies auch von Bach her kennen, u.a. mit einer Choralmelodie („Aus tiefer Not schrei ich zu dir“). Was es sonst noch alles zu entdecken gibt, wird der interessierte Konzertbesucher zweifellos selbst bemerken.

Der Kartenvorverkauf für das 92. Große Orgelkonzert in der St. Nikolaus-Kirche in Bergen, Nordring 71-73 am Sonntag, den 10. März 2013, um 17,00 Uhr, beginnt am Montag, 25. Februar, an folgenden Stellen:

Kath. Pfarrbüro Barbarossastraße 59
Geschäftsstelle Förderkreis,Nordring 71-73
Filialen Bergen und Enkheim der Frankfurter Volksbank

Die Abendkasse ist ab 16.15 Uhr geöffnet. Telefonische Vorbestellung unter 0 61 09 / 2 36 40 erbeten;
auch über e-mail: walzorg@t-online.de oder www.orgelkonzerte-st-nikolaus.de

Heinrich Jaskola


Orgel, Trompeten und Pauken für gute Taten

Ein fulminanter Start ins neue Konzertjahr gelang am vergangenen Sonntag dem Förderkreis Orgel und Orgelmusik an St. Nikolaus mit dem Auftritt der Mainzer Dombläser und des Organisten am Hohen Dom zu Mainz, Daniel Beckmann. Musik von Bach bis Strauß stand auf dem Programm. Die St. Nikolaus-Kirche war buchstäblich bis auf den letzten zusätzlich gestellten Stuhl gefüllt, das große Interesse kam auch der Aktion „Talente stiften“ zugute. Die nämlich nutzte den anschließenden Empfang, um für Spenden zur Renovierung der Fassade von St. Nikolaus zu werben.

Die Mainzer Dombläser bestritten schon zum zweiten Mal das Neujahrskonzert des Förderkreises, das jeweils im Wechsel mit dem ökumenischen Weihnachtskonzert stattfindet. „Jeder Interpret ist ein Meister auf seinem Instrument“, stellte Harald Schmidt in seinen Begrüßungsworten heraus. Domorganist Daniel Beckmann, der 2010 als noch nicht Dreißigjähriger in diese herausragende Position am Hohen Dom zu Mainz berufen worden war, gab am Sonntag sein Debut auf der großen Orgel der St. Nikolaus-Kirche.

Der Förderkreis hat das Konzert wieder gemeinsam mit der Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim ausgerichtet. Oberbürgermeister Peter Feldmann konnte für die Schirmherrschaft gewonnen werden, mußte sich am Sonntag allerdings durch die Stadtverordnete Erika Pfreundschuh vertreten lassen.

Die hohen Erwartungen der Besucher haben die Musiker mehr als erfüllt, ob mit dem schwungvollen Dialog zwischen Bläsern und Orgel, der das Konzert einleitete, der virtuos und spannungsvoll vorgetragenen Bachschen Sinfonia aus der Ratswahlkantate für Orgel solo oder einem berührenden „Nun danket alle Gott“ für Blechbläser, Orgel und Pauken. Im zweiten Teil des musikalischen Streifzugs durch vier Jahrhunderte zeigten die Dombläser mit den „American Images“ von Richard Roblee, dass sie auch eher weltlich ausgerichtete Veranstaltungen zum Kochen bringen könnten – was sie allerdings in der Praxis kaum ausprobieren werden, wie Hornistin Stefanie Roschy meinte. Daniel Beckmann griff anschließend mit seiner Interpretation der berühmten Toccata von Charles-Marie Widor den Schwung kongenial auf, und Richard Strauß. „Feierlicher Auszug“, der das Konzert beschloss, hat sicherlich dem einen oder anderen Zuhörer eine Gänsehaut über den Rücken gejagt.

Das Publikum dankte den Musikern mit lang anhaltendem Applaus, bis eine Zugabe erklatscht war. Wer bedauert, nicht dabei gewesen zu sein, sollte Ende nächsten Jahres die Ankündigungen des Förderkreises aufmerksam verfolgen. Jedenfalls sind schon die Weichen dafür gestellt, dass die Mainzer Dombläser und Daniel Beckmann das Neujahrskonzert 2015 am 4.1. bestreiten.
Im Anschluss lud der Förderkreis zum Empfang vor der Kirche mit heißem Glühwein und kühlem Sekt. Vorstandsmitglied Bernd Walz hatte Brote mit selbst gemachtem Gänseschmalz beigesteuert, und dann mischten sich überraschend noch drei weiß gekleidete Betonbauer mit Schutzhelm unters Publikum: In den Monturen steckten Werner Schledt und Wolfgang Rink von der nie um originelle Ideen verlegenen Aktion „Talente stiften – auf Glauben bauen“. Dritter im Bunde war Bernd Walz, der es bekanntermaßen genießt, in alle denkbaren Verkleidungen zu schlüpfen. Die drei nutzten den Umtrunk unter der eingerüsteten Fassade der St. Nikolaus-Kirche, um Spenden für die Renovierung zu sammeln. Die gute Stimmung im Publikum kam ihnen entgegen. Wie heißt es doch: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“. Rund 150 Euro landeten im Sammeleimer. Zusätzlich wurde die Fassadenerneuerung mit zwei Euro von jeder verkauften Eintrittskarte unterstützt. Dabei kam eine beachtliche Summe zusammen, die der Förderkreis Orgel und Orgelmusik an St. Nikolaus der Aktion übergeben konnte.

Hannelore Schmid


Mit Pauken, Trompeten und Orgel ins Neue Jahr 2013


Großes Neujahrskonzert mit festlicher Musik für Orgel, Bläser und Pauken
am Sonntag, den 6. Januar 2013 um 17 Uhr in der Kirche St. Nikolaus in Bergen Enkheim
Eine klanggewaltige musikalische Einstimmung auf das neue Jahr erwartet die Besucher des 91. Konzert, das vom Förderkreis Orgel und Orgelmusik und in Kooperation mit der Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim veranstaltet wird. Die Schirmherrschaft hat der Oberbürgermeister von Frankfurt, Peter Feldmann, übernommen.

Daniel Beckmann, der 32 Jahre junge Organist des Hohen Doms zu Mainz spielt auf der großen Orgel der St. Nikolaus-Kirche Werke aus 3 Jahrhunderten. Er wurde in das Amt des Domorganisten vor zwei Jahren von Kardinal Karl Lehmann berufen. Daniel Backmann studierte schon zu Schulzeiten Orgel an der Hochschule für Musik in Detmold – zahlreiche Meisterkurse ergänzten später seine Ausbildung. Bereits mit 27 Jahren legte der Organist für Kirchen- und Konzertmusik alle Examina mit Auszeichnung ab. Es folgten erste Berufsjahre als Dekanatskirchenmusiker des Erzbistums Paderborn sowie ein Lehrauftrag für künstlerisches Orgelspiel an der Musikhochschule in Detmold.

Der Domorganist tritt in Bergen-Enkheim gemeinsam mit den Mainzer Dombläsern auf, die das beeindruckende Neujahrskonzert in St. Nikolaus vor zwei Jahren bereits musikalisch begleiteten und ihr Publikum ausnahmslos begeistert haben. Seit mehr als 25 Jahren ist dieses Ensemble besetzt mit zwei Trompeten (Heiner Wellnitz, Christian Tolksdorff), Horn (Stefanie Roschy), Posaune (Stephan Hofmann), Tuba (Oswald Prader) und Pauken (Axel Weilerscheidt). Die Mainzer Dombläser begleiten an hohen Feiertagen traditionell die Bischofsgottesdienste im Hohen Dom St. Martin zu Mainz.

Dank dieser hochkarätigen Besetzung können sich die Besucher auf ein vielfältiges, großes Musikerlebnis und einer festlichen wie stimmungsvollen Begrüßung des neuen Jahres freuen.

Karten für das Neujahrs-Konzert in der St. Nikolaus-Kirche in Bergen, am Sonntag, den 6. Jan. 2013, um 17.00 Uhr, sind erhältlich bei

Kath. Pfarrbüro Barbarossastraße 59
Geschäftsstelle Förderkreis Nordring 71-73
Filialen Bergen und Enkheim der Frankfurter Volksbank

Es wird eindringlich auf den Vorverkauf hingewiesen (ohneVorverkaufsgebühr).

Die Abendkasse ist ab 16.15 Uhr geöffnet. Telefonische Vorbestellung unter 0 61 09 / 2 36 40 ;
Auch über e-mail: walzorg@t-online.de oder www.orgelkonzerte-st-nikolaus.de

Presseschau 2012

Eine runde Sache

90. Großes Orgelkonzert in der St. Nikolaus-Kirche mit Prof. Günther Kaunzinger
Seit 1984 gibt es die weit über die Grenzen Frankfurts hinaus bekannte Konzertreihe mit der klangschönen Förster & Nicolaus-Orgel und international renommierten Künstlern in der St. Nikolaus-Kirche in Bergen. Zum 90. Großen Orgelkonzert war am vergangenen Sonntag, den 25. November 2012, der Titularorganist an St. Nikolaus, Prof. em. Günther Kaunzinger, zu Gast. Er ist beim Bergen-Enkheimer Publikum gut bekannt und als virtuoser Künstler geachtet und geschätzt. Schon vor mehr als 28 Jahren war sein Rat bei Planung und Bau des großen, 52 Register umfassenden Instruments, gerne gesehen. Er hatte im Mai 1984 das Einweihungskonzert gespielt und saß von da an bei jedem zehnten Konzert als Solist an der Orgel.
Diesmal hatte Prof. Kaunzinger seine für das 90. Konzert ausgewählten Stücke unter das Thema Die Variationsform in der Orgelmusik gestellt. Drei berühmte Beispiele für das gewählte Thema wurden gespielt: Die Passacaglia c-moll von J.S. Bach, die Variations sur un Noël, op.20 von M. Dupré und von M. Reger Variationen und Fuge über ein Originalthema, op.73. Der Vortrag dieser drei Werke erfordert nicht nur ein ausgesprochen virtuoses Können, sondern auch die hohe Kunst der Registrierung, also der Klangfarbenmischung. Gerade davon lebt die Orgel und vermittelt dem Hörer immer wieder neue Eindrücke.
Bei Bachs Passacaglia entfaltete Kaunzinger eine barocke Fülle von Klängen. Über dem immer wiederkehrenden, deutlich hörbaren Bassfundament gewannen die darüber gelegten Oberstimmen ein faszinierendes Eigenleben, das sich im Zwischenspiel mit zarten Flötenstimmen meldete und sich zum Schluss hin klanggewaltig steigerte. Mag bei Bach das gewählte Spieltempo noch als etwas überzogen schnell erschienen sein, so faszinierte der Solist mit raffinierten, besonders auf die Zungenstimmen der Orgel setzenden Klangfarben in M. Duprés Variations. Der Komponist hat für die kurzen Variationen einer altfranzösischen Weihnachtsmelodie die Registrierungen angegeben. Es war erstaunlich zu hören, wie es Kaunzinger gelang, einerseits die unterschiedlichen Formen der zehn kurzen Variationen herauszuarbeiten, andererseits jeder eine für französische Orgelmusik typische Klangfarbe zu verleihen – eine auf die St. Nikolaus-Orgel adäquat übertragene Musik.
Bei Regers Variationen und Fuge, wo das Originalthema spät erscheint und dann bis fast zum Nicht-Mehr-Erkennen nach allen Regeln kompositorischer Kunst zerlegt wird, schien der Künstler an der Orgel ganz besonders in seinem Element zu sein. Das ca. 30 Minuten lange Stück mit höchsten spieltechnischen Schwierigkeiten reicht im Klang von kaum noch hörbaren, meditativ einladenden Flötentönen bis zum gewaltig explodierenden Klangereignis und wurde von Kaunzinger höchst überzeugend dargeboten. War schon hier der Beifall in der gut besuchten St. Nikolaus-Kirche groß, so steigerte er sich noch einmal nach der als letzten Programmpunkt vorgesehenen, souverän gespielten Improvisation. Von den eingereichten Vorschlägen hatte Kaunzinger das schwedische Volkslied Ack Värmeland, du sköna (die Melodie ist auch in Smetanas Moldau zu finden) und den Choral Nun danket alle Gott gewählt und sowohl einzeln, als auch kunstvoll ineinander verschränkt, vorgetragen. Als mit viel Beifall aufgenommene Zugabe war ein Stück von dem belgischen Organisten und Komponisten Guy Weitz, einem Zeitgenossen von M. Dupré, zu hören.

Beim Empfang nach dem Konzert in der stilvollen Nicolauskapelle mit vielen Gästen und Vertretern der Veranstalter (Förderkreis Orgel und Orgelmusik an St. Nikolaus und Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim), hielt der Schirmherr der Veranstaltung, Herr Marc Leister, Regionalmarktleiter der Frankfurter Volksbank, eine kurze Rede. Die Frankfurter Volksbank ist der Hauptsponsor der Konzertreihe in der St. Nikolaus -Kirche und hatte an diesem Abend dankenswerterweise zusätzlich die Bezahlung der ausgeschenkten Weine übernommen. Eine kleine Festrede gehörte ebenfalls zum „Empfangsprogramm“ dieses in jeder Beziehung runden 90. Orgelkonzerts.

Heinrich Jaskola

v.l.n.r.
Schirmherr Marc Leister, Regionalmarktleiter der Frankfurter Volksbank
Prof. Günther Kaunzinger
Winfried Bender, stellvertr. Vorsitzende des Ortsbeirates 16
Joachim Netz, Geschäftsführer der Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim

Schwere Stücke, aber keine Note zuviel

Günther Kaunzinger konzertiert am 25.November in St. Nikolaus

Bei den Musikfreunden in Bergen-Enkheim ist er ein gern gesehener Gast. Sie wissen ihn als virtuosen Künstler zu schätzen, der nicht nur die gesamte Breite der Orgelliteratur beherrscht, sondern auch als begnadeter Improvisator überzeugt: Günther Kaunzinger, Orgelprofessor aus Würzburg.
Nach seinem Musikstudium in Nürnberg und Frankfurt hielt er sich jahrelang zu weiteren Studien in Paris auf, wo er sich bei den bekanntesten Orgellehrern seiner Zeit (Marie-Claire Alain, Maurice Duruflé, Jean Guillou) weiterbildete. Im Alter von 36 Jahren bekam er einen Ruf auf den Lehrstuhl Orgel der Hochschule für Musik Würzburg. Weltweit hat er konzertiert, ist Träger zahlreicher Auszeichnungen und hat insgesamt mehr als 50 Aufnahmen auf Tonträger eingespielt. Dank seiner profunden Kenntnisse hat er sich auch bei einer Reihe von Orgelprojekten engagiert und wegen seiner großen Verdienste um das schöne Instrument in der St. Nikolaus-Kirche in Bergen-Enkheim die ehrenvolle Bezeichnung „Titularorganist an St. Nikolaus“ erhalten. Seit 1984 konzertiert er hier regelmäßig neben den bedeutendsten Interpreten aus aller Welt.

Auch beim 90. Großen Orgelkonzert bringt Professor Kaunzinger etwas Besonderes mit. Drei herausragende Komponisten aus drei Jahrhunderten werden unter der Überschrift „Die Variationsform in der Orgelmusik“ miteinander in Beziehung gesetzt. Das klingt auf den ersten Blick trocken-akademisch. Tatsächlich aber werden die Zuhörer mit einem spannenden Gang durch die Musikgeschichte konfrontiert. Den Ausgangspunkt bildet J.S. Bach mit seiner Passacaglia c-Moll (BWV582), den Endpunkt Max Reger mit Variationen und Fuge über ein Originalthema, op.73. Zwischen beiden stehen Marcel Duprés weihnachtlich gefärbten Variations sur un Noël, op.20. Alle drei Werke sind höchst anspruchsvoll und in ihrer Art charakteristisch für das Thema „Variationsformen“.

J.S. Bach hat die berühmt gewordene Passacaglia vermutlich zwischen 1706 und 1713 nach seiner Rückkehr aus Lübeck geschrieben, wo er bei D.Buxtehude ausgiebige Studien betrieben und die Passacaglia-Form, ein ursprünglich aus Spanien stammender Tanz im ¾-Takt, kennengelernt hatte. Typisch dafür ist, dass über einer gleichmäßig in der Bassstimme wiederkehrenden Melodie, die bei Bach acht Takte umfasst und sich zwanzigmal wiederholt, immer wieder neue musikalische Ereignisse variiert werden. Der Zuhörer erlebt bei Bach mit der zwölften Variation den musikalischen Höhepunkt. Es folgt ein sich über drei Variationen erstreckendes Zwischenspiel, bevor der grandiose Schluss in eine unmittelbar anschließende, themabezogene Fuge hineinführt. Mit diesem viel bewunderten Bach.schen Orgelwerk, der einzigen Passacaglia des noch jungen Meisters, wurde ein Muster geschaffen, an dem sich Komponisten bis in die Moderne hinein orientieren konnten.

Während Bach in der Form der Passacaglia über einer wiederkehrenden Bassmelodie (die wahrscheinlich aus Frankreich stammt) eindrucksvoll das musikalische Material entfaltet, geht Dupré von einem alten französischen Weihnachtslied aus, das er in zehn kurzen Variationen vorstellt. Die Variations sur un Noël hat der geniale Komponist und Orgelvirtuose während einer Zugfahrt auf einer Konzertreise in den USA (1922 / 23) geschrieben, um sich – wie gesagt wird – die Zeit zu vertreiben. Entstanden ist ein farbenreiches und klangprächtiges Werk mit hohen spieltechnischen Anforderungen. Es orientiert sich nach Duprés eigener Aussage an den orchestral klingenden riesigen Orgeln der amerikanischen Konzertsäle. Wie dieses Werk unter den Händen (und Füßen) von Professor Kaunzinger an der St. Nikolaus-Orgel klingt, darauf darf man gespannt sein.

Einen Interpreten von höchster Musikalität und Virtuosität verlangen auch Regers Variationen und Fuge über ein Originalthema. „Meine Orgelsachen sind schwer“ meinte Reger in einem Brief aus dem Jahr 1900 an einen befreundeten Organisten. Den Vorwurf, er schreibe absichtlich so schwer, wies er mit der Bemerkung zurück, in seinen Stücken gebe es keine Note zuviel. Tatsache jedenfalls ist, dass Regers Variationen zu seinen besten Orgelwerken zählen und im Rang mit Variationswerken von Bach, Beethoven oder Brahms vergleichbar sind. Gewidmet sind Regers monumentale Variationen dem befreundeten Organisten der Leipziger Thomaskirche (seit 1903) und späteren Thomaskantor (seit 1918) Karl Straube, dessen Bedeutung als Orgellehrer und Bach-Kenner in Leipzig gern mit der von Marcel Dupré in Paris verglichen wird.

An das Ende seines äußerst anspruchsvollen Programms hat Kaunzinger eine Improvisation über ein gegebenes Thema gesetzt. Wir werden hören, wie variantenreich er diese Aufgabe löst.

Karten für das Konzert in der St. Nikolaus-Kirche in Bergen, am Sonntag, den 26.August 2012, um 18,00 Uhr, sind erhältlich bei

Pfarrbüro Barbarossastraße 59
Geschäftsstelle Förderkreis,Nordring 71-73
Filialen Bergen und Enkheim der Frankfurter Volksbank

Die Abendkasse ist ab 16.15 Uhr geöffnet. Telefonische Vorbestellung unter 0 61 09 / 2 36 40 ;
Auch über e-mail: walzorg@t-online.de oder www.orgelkonzerte-st-nikolaus.de
Heinrich Jaskola


„Neue Musik“ in Sankt Nikolaus

Auch mit seinem 89. Großen Konzert konnte der Förderkreis Orgel und Orgelmusik an St. Nikolaus in der Kirche am Nordring seinen Mitgliedern und Gästen etwas Besonderes bieten. Die sehr seltene Kombination Orgel und Violoncello stand auf dem Programm. Präsentiert wurde sie von zwei noch jungen Künstlern, der gebürtigen Berlinerin Adele Bitter am Violoncello und Matthias Maierhofer, aus Graz stammend und heute in Leipzig lehrend, an der Orgel. Freunden zeitgenössischer Musik dürfte Adele Bitter bereits als Mitglied des Ensemble Modern ein Begriff sein.

Die Musikliteratur kennt nur etwa ein Dutzend Kompositionen für das Zusammenspiel von Orgel und Violoncello, das ganz eigene Anforderungen an die Interpreten stellt. Seit dem vergangenen Sonntag ist die Liste dieser Werke um eine eindrucksvolle Komposition erweitert. „Lukas 22, 62“ nannte der österreichische Komponist Richard Dünser das Musikstück, das er im vergangenen Jahr geschrieben und Adele Bitter und Matthias Maierhofer gewidmet hat. In Bergen erfuhr es seine Uraufführung.

„Und ging hinaus und weinete bitterlich“ heißt die Textstelle aus Kapitel 22, Vers 62 des Lukas-Evangeliums im Neuen Testament, das dem Stück seinen Namen gab. Sie bezieht sich auf den Apostel Petrus, auf dessen Verleugnung Jesu und auf das Gewahrwerden seines Verrats, nachdem der Hahn drei Mal gekräht hat. Ausschnitte aus der Eingangsmusik zur Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach bilden das „Leidmotiv“, wie es der Komponist bezeichnet, das in der teils aufwühlenden, teils auch sehr lyrischen Komposition immer wieder aufscheint. „Es ist, als ginge man um eine Kirche herum und hörte Fetzen aus einer Aufführung der Passion“, so Matthias Maierhofer. „Lukas 22,62“ haben Maierhofer und Bitter auf der großen Orgel und auf dem Violoncello von der Empore aus intoniert. „Die Schwierigkeit liegt darin, dass es für Cello und Orgel sehr schwer ist, sich dort zu verständigen“, so Maierhofer. Die Entstehung des Stücks verdankt sich übrigens einem Zufall. Der Organist und der Komponist lernten sich auf einer Hochzeit kennen und offenbar auf Anhieb schätzen.

Die Welturaufführung der Dünser-Komposition war nicht der einzige Höhepunkt des Konzerts, des ersten nach der Generalstimmung der großen Orgel, die in den Sommermonaten stattgefunden hat. Nicht nur das Ergebnis dieser Aktion sorge für „gute Stimmung“, wie Bernd Walz vom Vorstand des Förderkreises und langjähriger spiritus rector des Konzertgeschehens in St. Nikolaus erklärte. Erfreulich sei auch die Tatsache, dass die Mitglieder des Förderkreises mit ihren Zuwendungen das Vorhaben komplett finanziert haben.

Von der wiedergewonnen Qualität der Orgel konnten sich fachkundige Zuhörer schon bei der Toccata in d-Molll von Dietrich Buxtehude überzeugen, die das Konzert eröffnete, ebenso bei der mächtigen Fantasie und Fuge in g-Moll von Johann Sebastian Bach. Adele Bitter hatte Gelegenheit, ihr Violoncello in all seinen Klangfarben und ihren virtuosen Umgang mit dem Instrument mit Max Regers Sonate 131 C zu präsentieren.

Speziell für das Konzert hatte die Firma Förster & Nicolaus aus Lich ein Orgelpositiv – ein kleines Instrument – im Altarraum bereitgestellt. Maierhofer begleitete darauf Adele Bitter auf dem Violoncello piccolo bei der Sonate D-Dur von Johann Sebastian Bach und einer Sonate D-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach, das nach dem fordernden Dünser-Stück den Abend abschließen sollte. Nach dem begeisterten Applaus der Zuhörer kehrten Bitter und Maierhofer jedoch noch einmal auf die Empore zurück. Mit dem anrührenden „Abendgebet“ von Camille Saint-Saëns entließen sie die zahlreichen Konzertbesucher in den anschließenden Empfang hinter der St. Nikolaus-Kirche. Dort konnte Bernd Walz den Sponsoren und allen Helferinnen und Helfern der Veranstaltung – unter ihnen die Frankfurter Volksbank – seinen Dank aussprechen. Das Grußwort der Schirmherrin des Abends, Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese, ließ erkennen, dass sie diese Funktion mit großem Vergnügen wahrgenommen hatte.


Violoncello, Orgel und eine Welturaufführung

Adele Bitter und Matthias Maierhofer konzertieren am 26.August in der St. Nikolaus-Kirche

von Heinrich Jaskola
Vor fünf Jahren war in der St. Nikolaus-Kirche in Bergen-Enkheim ein Cellist aus Frankreich, Philippe Cauchefer, zu Gast. Mit ihm musizierte an der Orgel seine Schwester, Sophie-Véronique Choplin, Organistin von Saint-Sulpice, Paris. Nun werden am 26. August 2012 wieder Cello und Orgel aufeinandertreffen, und wieder sind es zwei in der Musikwelt sehr bekannte Namen: Adele Bitter (Berlin) und Matthias Maierhofer (Leipzig).

Die Cellistin hat nicht nur ausgezeichnete Examina vorzuweisen, sie hat auch als Mitglied im berühmten „Ensemble Modern“ und im Deutschen Symphonie-Orchester Berlin eine Menge internationaler Erfahrungen gesammelt und erst vor kurzem noch ein Zusatzstudium im Fach „Historische Aufführungspraxis“ (Barockvioloncello) in Basel erfolgreich abgeschlossen. Auch Matthias Maierhofer teilt solche Interessen. Der seit 2009 als Dozent für Orgel an der Musikhochschule in Leipzig wirkende Maierhofer ist Preisträger mehrerer Wettbewerbe (z.B. Pachelbel-Wettbewerb, Nürnberg 2007), ist häufig auf Konzertreisen unterwegs und wirkt regelmäßig bei verschiedenen CD-Produktionen und Publikationen mit. Im Konzertprogramm dieser beiden hochrangigen Künstler spiegeln sich folglich einerseits die Liebe zur alten Musik, andererseits aber auch, mit der Welturaufführung eines Stückes von Richard Dünser (geb. 1959), ihr Eintreten für die zeitgenössische Musik Das wird spannend!

Reizvoll ist bereits die Gegenüberstellung der beiden Sonaten D-Dur für Viola da gamba und Cembalo bzw. Basso continuo von Johann Sebastian Bach und seinem berühmtesten Sohn Carl Philipp Emanuel, auch „Berliner Bach“ genannt. Er hat während seiner Tätigkeit am Hofe Friedrichs des Großen mehrere Gambensonaten geschrieben, die im Vergleich zu seinem Vater einen neuen Stil repräsentieren. Während bei Vater Bach Tasteninstrument (Cembalo) und Streichinstrument (Gambe, auch „Kniegeige“ genannt) gleichberechtigt miteinender musizieren, ist dies bei der Sonate des Sohnes so nicht mehr der Fall. Die Bezeichnung „Basso continuo“ (auch „Generalbass“) zeigt bereits, dass es um die Begleitung der melodieführenden Stimme durch die Bass-Stimme mit passenden Akkorden geht. Dem hervorragenden Gambisten der Hofkapelle Friedrichs des Großen konnte damit die Gelegenheit gegeben werden, sein virtuoses Können zu zeigen.
Diese Gelegenheit wird auch Adele Bitter nutzen. Beide Sonaten sind in einer Fassung für Orgel und Violoncello piccolo zu hören, ein eher seltenes Erlebnis. Denn beim „kleinen“ Violoncello handelt es sich um ein Instrument, das erstmals 1724 als Soloinstrument in Kantaten von J.S. Bach genannt und, obwohl größer als die Gambe, ebenfalls in „Kniehaltung“ gespielt wird. Wie mag Adele Bitter dieses heute meist fünfsaitige Violoncello handhaben?

Das uns vertraute Violoncello rückt dagegen, zusammen mit der Orgel, bei einem weiteren Glanzlicht des Abends in den Mittelpunkt: Richard Dünsers Komposition „Lukas 22,62“, die zwischen 2007 und 2011 entstanden ist: Eine Welturaufführung in St. Nikolaus! Es geht hier um ein Thema aus der Bibel, die Verleugnung Jesu durch Petrus. Nach seinem Verrat wird berichtet, dass er hinaus gegangen sei und bitterlich geweint habe. Um diese Stelle aus der Johannes- und Matthäus-Passion von Bach, so der Komponist, kreise sein Werk. Sie bilde den „ideellen Hintergrund und einen Rahmen, in den meine Musik eingespannt ist“. Wir dürfen auf eine besonders authentische Wiedergabe von Dünsers Werk hoffen, denn es ist Adele Bitter und Matthias Maierhofer gewidmet.

Historische Aufführungspraxis und zeitgenössische Komposition – zwischen diesen beiden Polen muss sich der Konzertbesucher orientieren. Dass sich daneben noch eine Reihe weiterer interessanter Verbindungen im Konzertprogramm auftun, wird jeder Musikfreund schnell bemerken. So stehen z.B. Buxtehudes Toccata d-moll (BuxWv 155) und J.S. Bachs Phantasie und Fuge g-moll (BWV 542) in einer engen Beziehung, hat doch der mehr als eine Generation jüngere Bach von dem norddeutschen Meister, zu dem er einst als junger Mann gepilgert war, entscheidende Anregungen übernommen. Und ist es nicht auch reizvoll, Max Reger, häufig nur durch klanggewaltige Orgelkompositionen bekannt, mit einer Sonate für Violoncello allein (op. 131 C No.2) kammermusikalisch zu erleben? Heinrich Jaskola

Karten für das Konzert in der St. Nikolaus-Kirche in Bergen, am Sonntag, den 26.August 2012, um 18,00 Uhr, sind erhältlich bei

Pfarrbüro Barbarossastraße 59
Geschäftsstelle Förderkreis,Nordring 71-73
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Die Abendkasse ist ab 17.15 Uhr geöffnet. Telefonische Vorbestellung unter 0 61 09 / 2 36 40 ;
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Eine Visitenkarte aus dem Norden Europas

Hans Fagius aus Schweden an der Orgel der St. Nikolaus-Kirche

Anfang März gastierte mit Klaus Sonnleitner vom Stift St. Florian ein Österreicher, jetzt kommt zum 88.Großen Orgelkonzert der bekannte schwedische Organist und Professor Hans Fagius nach Bergen-Enkheim. Am Sonntag, den 29.April um 18.00 Uhr, konzertiert er in der St. Nikolaus-Kirche.

Bis zum letzten Jahr unterrichtete er am Königlich Dänischen Musikkonservatorium in Kopenhagen; nun verstärkt er seine Konzertaktivitäten, die ihn quer durch Europa, nach Australien, Nordamerika, Japan und Südkorea geführt haben. Bemerkenswert ist seine Diskografie. Hier steht an oberster Stelle eine 17 CDs umfassende Gesamtaufnahme der Orgelwerke von J. S. Bach. Neueste Aufnahmen von Orgelwerken Mendelssohns, von Reubke, Liszt, Hesse und Schumann, zeigen ein breit gefächertes Interesse und die umfassende musikalische Bildung des Künstlers, der im Dezember 2010 u.a. ein umfangreiches Handbuch über die Orgelwerke Bachs herausgegeben hat.

Mit einer Visitenkarte aus dem Norden Europas eröffnet Hans Fagius den Konzertabend: Zwei bei uns wenig bekannte schwedische Komponisten des 20.Jahrhunderts, Ake Malmfors und Otto Olsson, umrahmen Andreas Düben, einen deutschen Organisten und Komponisten des 17. Jahrhunderts. Von Malmfors, Komponist, Chor- und Orchesterdirigent, werden im gesangsfreudigen Schweden auch heute noch viele Lieder gesungen. Die im Konzert zu hörende Passacaglia, gefolgt von einer Fuge, geht in ihrer Form ursprünglich auf einen spanischen Volkstanz des 16.Jahrhunderts zurück, bevor sie über Frankreich und Italien das übrige Europa eroberte. Typisch ist eine sich gleichmäßig wiederholende Bassfigur, über der sich abwechslungsreiche Variationen entfalten. Der Komponist Otto Olsson, Professor an der Königlich Schwedischen Akademie für Musik und einer der seinerzeit bekanntesten Orgelvirtuosen, ist mit Präludium und Fuge fis-Moll vertreten. Als Kenner und Liebhaber französischer Orgelmusik schuf er einen eigenen spätromantischen Stil, den er mit profunden kontrapunktischen Kenntnissen zu verbinden wusste. Aber auch der deutsche Kapellmeister Andreas Düben, dessen Vater Organist an der Thomaskirche in Leipzig war, hatte enge Beziehungen zum Norden Europas. Seit 1624 wirkte er als Hoforganist in Stockholm, später als Hofkapellmeister der Königlich Schwedischen Hofkapelle und Organist der deutschen Kirche St. Gertrud. Die dort stehende berühmte Barockorgel („Düben-Orgel“) von 1609 wurde über mehrere Generationen von Mitgliedern der Familie Düben gespielt. Andreas Düben war Schüler des als „Orpheus von Amsterdam“ bezeichneten Niederländers Jan Pieterszoon Sweelinck (1562 bis 1621), der die norddeutsche Orgelschule des 17. Jahrhunderts entscheidend beeinflusste. Wenn Hans Fagius also Dübens Choralfantasie „Wo Gott der Herr nicht bei uns hält“ (nach Psalm 124) spielt, verweist er auf einflussreiche Grundlagen schwedischer Musik, die bis heute gültig sind.

Spannend dürfte aber auch die Gegenüberstellung von Johann Sebastian Bach und Charles Marie Widor werden, mit denen das Konzertprogramm schließt. Bach hat seine beiden vierstimmigen Fugen in g-Moll (BWV 578) und G-Dur (BWV 577) perfekt gebaut. Trotzdem unterscheiden sie sich stark in ihrem Charakter. Die erste, vor 1713 entstanden, wirkt anmutig-ernst und wird gern als Vorübung zu den großen Orgelwerken Bachs angesehen. Die zweite macht ihren leicht-tänzerischen Charakter schon mit der Zusatzbezeichnung „a la Gigue“ deutlich. Denn als Gigue bezeichnete man im 17. und 18.Jahrhundert einen lebhaften Tanz, der von England aus in vielfältiger Weise das europäische Festland eroberte. Mehr als vierzigmal hat J.S.Bach eine Gigue geschrieben, wobei italienische Vorbilder gegenüber den französischen überwiegen. Hans Fagius lässt hier den deutschen Barockmeister als souveränen Beherrscher einer komplizierten kontrapunktischen Form erscheinen.

Mit einer ganz anderen Musik überzeugte der 150 Jahre jüngere Ch. M. Widor. Der französische Organist, Komponist und Musikpädagoge, der 64 Jahre lang an der berühmten Cavaillé-Coll-Orgel von St. Sulpice in Paris gewirkt hat, gilt als Schöpfer der Orgelsinfonie. Inspiriert von seinem Instrument, hat er in zehn Orgelsinfonien die Form und den Klang der Orchestersinfonie auf die Orgel übertragen. Sie sollte zu einem Klangkörper werden, der dem Orchester ebenbürtig ist. In der Orgelsinfonie Nr.5 f-Moll können wir das im Konzert gut hören. Von den fünf Sätzen ist vor allem der letzte bekannt, eine mitreißende Toccata, die jeden Konzertbesucher faszinieren muss. Damit setzt der schwedische Orgelkünstler Hans Fagius einen virtuos-glanzvollen Schlusspunkt.

Karten für das Konzert in der St. Nikolaus-Kirche in Bergen, am Sonntag, den 29.April 2012, um 18,00 Uhr, sind erhältlich bei

Pfarrbüro Barbarossastraße 59
Geschäftsstelle Nordring 71-73
Filialen Bergen und Enkheim der Frankfurter Volksbank
Die Abendkasse ist ab 17.15 Uhr geöffnet. Telefonische Vorbestellung unter 0 61 09 / 2 36 40
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Heinrich Jaskola

Presseschau 2011

Orgelmusik aus einer phantastischen Zeit

Von Hannelore Schmid

„Die Hanseatische Zeit muss für Kirchenmusik und Orgel eine phantastische Zeit gewesen sein“. Bine Katrine Bryndorf versetzte mit dieser Einführung in das Programm des 86. Konzerts des Förderkreises Orgel und Orgelmusik am vergangenen Sonntag die zahlreichen Besucher der Bergen-Enkheimer St. Nikolaus-Kirche in neugierige Erwartung. „Es wurde viel improvisiert in dieser Zeit,“ so Bryndorf, „aber Gott sei Dank auch einiges aufgeschrieben. Die Musikstücke wollen die Orgel in allen ihren Farben zeigen – lustig, heiter, traurig und frisch.“ Der vielfach ausgezeichneten Organistin der Kopenhagener Vartoy Kirche und international renommierten Solistin gelang es mit ihrem Spiel, diese ganze Breite zu vermitteln.

Musik von Buxtehude, Bach, Bruhns und Scheidemann sollte ihre Zuhörer für Barockmusik „aus dem Norddeutschen“ begeistern. Der Schirmherr des Konzerts, der dänische Honorarkonsul Andreas Muth, erinnerte in seinem Grußwort jedoch zu Recht daran, dass sich zu Lebzeiten dieser Komponisten das Königreich Dänemark bis Hamburg-Altona erstreckte. Wie sich andererseits Dietrich Buxtehude, der als Sohn eines Organisten aus Schleswig im heute schwedischen Helsingborg geboren wurde, im dänischen Helsingör aufwuchs und später in Lübeck das Organistenamt versah, letztlich als Däne verstand.

Beim Konzert in St. Nikolaus spielten nationale Verortungen keine Rolle. Neben dem dänischen Konsulat, das durch Barbara Bünemann vertreten wurde, hatten sich die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim mit Cornelia Grebe und Sandra Hein vom Deutsch-Dänischen Kulturverein Rhein-Main zur Partnerschaft mit dem Förderkreis zusammengefunden.

Mit dem Präludium in G-Dur von Nicolaus Bruhns eröffnete Bryndorf das Konzert. Nur wenige Musikstücke sind von diesem Lieblingsschüler Buxtehudes erhalten. Es folgte Buxtehudes Passacaglia in d, ein Stück, das unter dem Einruck des stetigen Schlagens der Kirchturmuhr entstanden ist und das Fortschreiten von Stunden, Tagen und Jahreszeiten widerspiegelt. Von Johann Sebastian Bach, dessen großes Vorbild Dietrich Buxtehude war, hatte Bryndorf für dieses Konzert Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur ausgesucht. „Das Stück enthält viel Norddeutsches, große freie, virtuose Teile und ein großes Pedalsolo“, erklärte sie ihre Wahl. Dass sie es ebenso virtuos und technisch perfekt vortrug, braucht nicht eigens erwähnt zu werden. Das Choralvorspiel über „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ von Buxtehude und das Magnificat VIII Toni von Heinrich Scheidemann mit perlenden Läufen und spannungsvollen Echoeffekten folgten. Den Abschluss bildete das Präludium in e-Moll von Nicolaus Bruhns, das der Orgel alles entlockt, was sie zu bieten hat, und den musikalischen Höhepunkt des Abends setzte.

Das Publikum dankte mit langanhaltendem stehendem Applaus, und Bine Bryndorf ließ es sich nicht nehmen, der ersten Zugabe – „weil Sie so eifrig sind!“ eine zweite folgen zu lassen.
„Heute wurde widerlegt, dass die Orgel von St. Nikolaus französisch ausgerichtet ist“, freute sich Bernd Walz, Vorstandsmitglied des Förderkreises, beim anschließenden Empfang in der Nikolauskapelle. „Das ist der einmaligen Registrierkunst von Bine Bryndorf zu danken.“ Schon vor zehn Jahren, so berichtete er, war Bryndorf zum ersten Mal eingeladen worden. Damals musste sie wegen einer Schwangerschaft absagen. Gut möglich, dass in einigen Jahren eine weitere Einladung nach Kopenhagen geht. „Unsere Orgel mag Bine Bryndorf!“ konstatierte Walz.

Eine Überraschung wartete an diesem Abend auf den ehemaligen Frankfurter Stadtkämmerer Dr. h.c. Ernst Gerhardt, seit vielen Jahren als Mitglied regelmäßiger Besucher der Konzerte in St. Nikolaus. Er wurde zum Ehrenmitglied des Förderkreises ernannt. In seinem früheren Amt, in dem er auch für kirchliche Angelegenheiten zuständig war, hatte er den Bau der St.Nikolaus-Orgel unterstützt, indem er ein Register aus der alten Orgel der Katharinenkirche nach Bergen vermittelte. Für Gerhardt stellt die Arbeit des Förderkreises eine „große kulturelle Leistung im Stadtteil“ dar, wie er im Gespräch betonte. Die Nikolauskapelle war im übrigen ein würdiger Ort für die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft. Als Stadtkämmerer hatte Gerhardt auch die Restaurierung dieses gotischen Kleinods, das lange Jahre als Scheune genutzt worden war, großzügig unterstützt.

Beim Empfang in der historischen Nikolauskapelle:
Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese, Dr. h.c. und Ehrenmitglied Ernst Gerhardt, Prof. Bine Bryndorf und Frau Barbara Bünemann, Assistentin des königl. dänischen Konsulates.

Ein Reichtum an Klängen

Daniel Roth konzertierte am 28. August an der Orgel der St. Nikolaus – Kirche in Bergen
Stehender Beifall verabschiedete Daniel Roth, den Orgelvirtuosen aus Paris, nach seinem Konzert am vergangenen Sonntag in der St. Nikolaus – Kirche in Bergen. Die zahlreich erschienenen Zuhörer würdigten damit einen Künstler, der “die Gemüter der Menschen bewegen kann“. So jedenfalls hatte es der Schirmherr dieses 85. Großen Orgelkonzerts, der Generalkonsul Frankreichs, Pierre Lanapats, in seinem Grußwort angekündigt.

Mit seinem wohl durchdachten Programm vermochte Daniel Roth die geweckten Erwartungen im Laufe des Abends einzulösen: Am Beginn stand eine der großen Leipziger Kompositionen von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), Präludium und Fuge Es-Dur (BWV 552); ergänzend und konträr dazu gab es ausgewählte französische Orgelmusik des 19. und 20.Jahrhunderts. Dabei steht César Franck (1822 bis 1890), selbst ein Bach-Verehrer, für den Wiederaufstieg der französischen Orgelkomposition in seiner Zeit, während sich Marcel Dupré (1886 bis 1971) hohe Verdienste um eine blühende Orgelkultur in Frankreich erworben hat. Er hat u.a. sämtliche Orgelwerke Bachs herausgegeben und an mehreren Konzertabenden auswendig einem interessierten Publikum dargeboten. Nimmt man noch Camille Saint-Saens (1835 bis 1921) hinzu, der sich nach 1871 gemeinsam mit C. Franck für eine nationale französische Musik eingesetzt hat, und Charles Tournemire (1870 bis 1939), den genialen Improvisator, so wird in der Handschrift des Programms neben dem Orgelkünstler Daniel Roth auch der Lehrer und Professor sichtbar. Man könnte geradezu von einer “Lehrstunde“ über französische Orgelmusik auf dem Hintergrund des großen Thomaskantors und dessen zukunftsweisender Musik sprechen.

Der Orgelprofessor Daniel Roth war am ehesten in Bachs festlich strahlendem Es-Dur Präludium zu hören. Die (nach Albert Schweitzer) hier versinnbildlichte göttliche Majestät erklang noch ein wenig dem Irdischen verhaftet, aber schon in der sich anschließenden Fuge mit ihren drei Themen lockerten sich Spielweise und Tonfall. In der Dreiteilung hat man eine Darstellung der Trinität erblickt, und deren Charakterisierung gelang adäquat. Konträr dazu die elegisch verhaltene Stimmung in M. Duprés Präludium und Fuge f-Moll (op.7,2). Daniel Roth hob die durch alle Stimmen wandernde Melodie und die Farbigkeit der Harmonien glänzend hervor. Immer wieder wurde jetzt erkennbar, dass hier nicht nur ein Meister ausgeklügelter Programme spielt, der eine musikalische Struktur lebendig nachzeichnet, sondern vielmehr einer, der über einen nahezu unerschöpflichen Vorrat an Registriermöglichkeiten verfügt. So brillierte der Solist des Abends mit überraschenden Klangkombinationen, um beispielsweise den lockeren Ton des Scherzos bei C. Saint-Saens zu charakterisieren oder die religiöse Sphäre des “Offertoire“ (g-Moll) von C. Franck zu treffen. Bei ihm kann man geradezu hören, was bei einem festlichen Hochamt am Altar geschieht. Choralartige Passagen wechseln ab mit heroisch-pathetisch klingenden, immer wieder neue Klänge kommentieren das liturgische Geschehen, und mit dem zusätzlichen Einsatz des Jalousieschwellers (die Orgel von St. Nikolaus hat gleich zwei davon) gelangen dem virtuos auftretenden Solisten weitere dynamisch abgestufte Klangeffekte. Ein großartiges Klanggemälde entwickelte Daniel Roth in Ch. Tournemires “Ave maris stella“, einer von M. Duruflé aufgezeichneten Improvisation. Es handelt sich hier um einen Marien-Hymnus (“Sei gegrüßt, Stern des Meeres“) mit einem gregorianisch-liturgischen Thema. Daniel Roth gestaltete diese in Noten festgehaltene Improvisation souverän, ideenreich und wiederum klanglich raffiniert. Seine eigene Komposition aus dem Orgelbuch zum Magnifikat, ebenfalls der Mutter Gottes gewidmet (“Hoch preist meine Seele den Herrn“), stellt sich in die Tradition der an diesem Abend aufgeführten Musik: Die beiden Stücke (“Magnifikat“ und “Gloria“) arbeiten mit der zugrunde liegenden Choralmelodie, sie haben virtuose Passagen und funkeln klangprächtig. Am Schluss dieses eindrucksvollen Konzerts spielte Daniel Roth noch einmal M. Dupré (Präludium und Fuge As-Dur, op.36), seinen Vorgänger im Amt des Titularorganisten an der berühmten Cavaillé-Coll-Orgel von St.Sulpice (von 1934 bis 1971). Als dieses Stück mit mächtigen Akkorden über einem Orgelpunkt endete, war ein bewegender Konzertabend zu Ende gegangen. Zwei Zugaben musste Daniel Roth dann aber doch noch spielen: Eine Improvisation über den Choral “Großer Gott wir loben dich“ und die letzte der “Sieben Improvisationen – Allegro giocoso“ von C. Saint-Saens.

Für eine kurze Unterbrechung in der Mitte des Konzerts wegen einer witterungsbedingt plötzlich verstimmten Trompete (ein Zungenregister im 3. Manual) hatte das Publikum volles Verständnis.

Der abschließende Empfang hinter der St. Nikolaus-Kirche gab Gelegenheit, mit dem Künstler zu sprechen. Den Wein spendierte die Deutsch-Französische Gesellschaft und der Club der Elsässer beteiligte sich mit frischen Brezeln.

Heinrich Jaskola


Ein Musikerlebnis der besonderen Art

  • Guy Bovet konzertierte am 3.April in der St. Nikolaus-Kirche –
    Wer die Konzerte in der St. Nikolaus-Kirche in Bergen-Enkheim besucht, kann immer wieder Außergewöhnliches erwarten. Die Interpreten gehören fast ausnahmslos zu der kleinen Gruppe international hoch angesehener Künstler, und die Programme enthalten manche selten zu hörenden Kostbarkeiten, die den Musikfreund überraschen und erfreuen. Auch das 84. Große Orgelkonzert mit dem Schweizer Professor Guy Bovet (Neuchâtel) am letzten Sonntag machte hier keine Ausnahme.

Ungewöhnlich schon das Programm. Von J.S.Bach abgesehen, enthielt es kaum bekannte Komponisten. Nur Spezialisten dürften die Namen der beiden Spanier Sebastián Aguilera de Heredia (1561-1627) und Francisco Peréz Gaya (1766-1835) kennen. Auch die Werke von César Cui (1825-1918), russischer Komponist mit französischen Wurzeln, oder Pietro Allesandro Yon (1904-1943), ein italienisch-amerikanischer Organist (seit 1927 an der St.. Patrick.s Cathedral in New York), sind eher selten zu hören. An das Ende des Programms hatte Guy Bovet statt der angekündigten Orgelversion seines Orchesterstückes „Don Quixote“ drei musikalische Skizzen gestellt (Trois Esquisses Japonaises, 2001), gedacht für „meine Freunde in Japan“, wie er einleitend sagte.
Nur mit einer Künstlerpersönlichkeit, die so präsent ist wie Prof. Bovet, lässt sich ein derartiges Programm überzeugend verwirklichen. Seine Solistenkarriere führt ihn nach wie vor in alle Teile der Welt, seine Tonträgerliste zählt über 45 Aufnahmen, als Komponist und Wissenschaftler hat er sich in der Musikwelt einen Namen gemacht. So gelang ihm auch an der Orgel der St. Nikolaus-Kirche der souveräne Umgang mit diesem anspruchsvollen Instrument: Scheinbar mühelos die Technik bei der Wiedergabe komplizierter musikalischer Strukturen, spielerisch der Wechsel auf den vier Manualen und immer wieder neue, interessant tönende Klangwelten mit charakteristisch eingefärbten Registern.

Typisch für spanische Orgeln sind die zahlreichen „Zungenpfeifen“, die den Ton durch eine schwingende Metallzunge erzeugen. Am Orgelprospekt sind sie häufig durch ihre horizontale Lage zu erkennen („spanische Trompeten“). Sie klingen ähnlich wie eine Posaune, Trompete, Schalmei, eine Klarinette oder ein Fagott. In der unterschiedlichen Kombination einzelner oder mehrerer solcher Zungenregister gelang es dem Orgelvirtuosen aus der Schweiz, einen verblüffend authentischen Orgelklang hervorzubringen, ohne den die beiden spanischen Komponisten de Heredia und Gaya nicht adäquat hörbar gewesen wären. Guy Bovet ist mit zwei Jahrzehnten Lehrtätigkeit an der Universität von Salamanca ein ausgewiesener Kenner des spanischen Musiklebens. Man fühlte sich im Konzert plötzlich nach Spanien versetzt und konnte die bewegten rhythmischen Strukturen der Stücke ebenso genießen wie z.B. die tiefe, virtuos auf- und absteigende Solostimme in der linken Hand, umspielt von Flötenstimmen (de Heredia: „Tiento de bajo 1er tono“). Die „Sonata“ von Gaya tönte zunächst eher nach einer Flötenuhr-Musik mozartscher Prägung, leicht und verspielt, ehe dann doch noch die so typischen Zungenstimmen kontrastreich auf ihre spanische Herkunft hinwiesen.
Guy Bovet beherrscht aber nicht nur die Kunst der Klangmischung bis ins kleinste Detail, er bringt es auch fertig, eine anspruchsvolle polyphone Struktur klar und durchsichtig zu gestalten und mit den gewählten Registern z.B. seiner Auffassung von Dunkelheit und Tragik in Bachs Präludium und Fuge c-moll (BWV546), einem Meisterwerk aus der Leipziger Zeit, Gehör zu verschaffen. Als Kontrast dazu spielte der Interpret das Prélude in As-Dur von César Cui romantisch-verhangen, arbeitete effektvoll mit beiden Jalousieschwellern des Instruments und brachte den Zuhörern jene Stimmung nahe, die der Komponist in seiner Bewunderung für Robert Schumann ausdrücken wollte. Immer wieder kann Guy Bovet auch seine überlegene Virtuosität ausspielen, so dass scheinbar einfach angelegte Stücke wie Yons „Toccatina“, rasant im Tempo, humorvoll und witzig erklingen. In solchen kleinen „Kunst-Stücken“ offenbart sich wahre Könnerschaft! Als Komponist und eigener Interpret zeigte der Künstler am Schluss des Programms mit den drei japanischen Skizzen noch einmal musikalisches Einfühlungsvermögen und absolute Beherrschung seines Instruments.
Nach dem lang anhaltenden Beifall der Zuhörer in der gut besetzten St. Nikolaus-Kirche spielte Guy Bovet noch ein Stück des französischen Organisten und Komponisten Jehan Alain (1911-1940), dessen Orgelwerke er besonders schätzt. Er hat sie auf der neu aufgebauten Orgel der Familie Alain in Romainmôtier eingespielt. Von einem „Musikerlebnis der besonderen Art“ hatte der Schweizerische Generalkonsul Pius Bucher im Grußwort des Schirmherrn gesprochen. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Heinrich Jaskola

Bernd Walz, Vorstandsmitglied des Förderkreises Orgel und Orgelmusik an St. Nikolaus
Prof. Guy Bovet
Marisa Bovet
Urs Schnider, Konsul der Schweiz

Nach dem Konzert traf man sich zum Empfang in der Nikolauskapelle. Das Schweizer Konsulat hatte
den exzellenten Wein samt Käse spendiert. Auch kleine Schokoladen-Tafeln lagen auf den Tischen.

Blitzendes Blech begeistert Besucher
Grandioses Neujahrskonzert in der St. Nikolaus-Kirche

von Karl Hermann

Festliche Musik zum Jahreswechsel hatten der Förderkreis Orgel und Orgelmusik an St. Nikolaus und die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim als Veranstalter angekündigt. Das war leicht untertrieben. In der vollbesetzten Kirche am Nordring demonstrierten die von Fernsehen und Funk bekannten Mainzer Dombläser im Zusammenspiel mit dem ehemaligen Mainzer Domorganisten Albert Schönberger ihre Freude am virtuosen Auftritt und ihre Könnerschaft. Zwei Trompeten, ein Horn, eine Posaune und die Tuba boten Bläsermusik vom Feinsten. Mit imponierender Leichtigkeit bewältigten sie teils schwierigste Passagen in Bearbeitungen von klassischen Werken. Dazu kamen noch die Pauken, von professioneller Hand geschlagen.

Das Programm mit Werken von Gabrieli, Purcell, Lemmens, Peeters, Crespo, Webber und Strauss ließ keine Wünsche offen. Insbesondere gefielen die „Drei Spirituals“ von Enrique Crespo, weil das Ensemble damit seine große Repertoirebreite zeigen konnte.
Das Mitwirken der Orgel als Partner und als zweiter Chor (Gabrieli) ließ die langjährige Zusammenarbeit mit den Bläsern erkennen. Trotz räumlicher Entfernung – die Bläser waren im Altarraum positioniert . gelangen wunderbare Echowirkungen und beste Abstimmungen. So konnte mit der solistisch eingesetzten Orgel ein durchsichtiges, fast kammermusikalisches Klangbild entstehen.

Eine vorzügliche Erwähnung verdienen die Orgel-Improvisationen Schönbergers über Kirchenlieder (u.a. über „Nun danket alle Gott“) und hier ganz explizit die Variationen über bekannte Weihnachtslieder, gewürzt mit dem Einsatz des Zimbelsterns. Das Publikum war begeistert und summte so manches Mal die Melodien mit.
Erst nach einer erklatschten Zugabe wurden die Musiker mit stürmischem Beifall entlassen.
Nach dem Konzert äußerte Albert Schönberger: „Die Orgel hat mich gemocht, ein wunderschönes Instrument“.

Eine schöne Idee der Veranstalter war das Angebot von Sekt oder Glühwein vor der Kirche, was weidlich genutzt wurde. So konnte man im Gespräch mit den Musikern und den vielen prominenten Gästen den festlichen Charakter des Abends ausklingen lassen.

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